Katrin Sell, Autorin aus Berlin
 

c i n e p h i l - Filmländer und Kontinente

Momente des französischen Films - eine kleine Einführung
Der französische Film feiert zurzeit nicht nur in Deutschland große Erfolge. Die Filmnation selbst ist so alt wie das Kino. Die Franzosen waren führend bei der Entwicklung des Kinos und seiner Technik. Die Brüder Lumiére erfanden den Kinematographen, ein Gerät zur Aufnahme und Wiedergabe von bewegten Bildern und waren damit wichtige Pioniere des Kinos. Dazu unterscheidet sich das französische Kino von allen anderen in der Welt; dies mag wohl an seinem poetischen Realismus liegen: Es ist ein Kino des Sehens und nicht der Aktion. In einem Vortrag soll eine Zeitreise durch den französischen Film unternommen werden, die von den Anfängen des Kinos bis zur Gegenwart reicht.
Filmvorführung: Ziemlich beste Freunde (Frankreich 2011)
RE: Olivier Nakache, Eric Toledano, DA: François Cluzet, Omar Sy u.a.
Die Hauptfiguren, Philippe und Driss, zeichnen sich durch deutlich verschiedene Charaktere und Haltungen aus. Philippe ist verwitwet, hat eine Adoptivtochter und lebt mit etlichen Hausangestellten in einem Palais in einen vornehmen Stadtteil von Paris. Nach einem Unfall ist Philippe gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen und stellt Driss als Pfleger ein. Driss ist im Senegal geboren und in der Pariser Vorstadt aufgewachsen. Ungeachtet dieser großen sozialen und kulturellen Gegensätze der beiden entwickelt sich im Verlauf des Films eine enge Freundschaft zwischen den Männern.


Afrikanisches Kino
Filme von afrikanischen Regisseuren schaffen es, bis auf wenige Ausnahmen, kaum in unsere Kinos. So bleibt unser Bild über Afrika zumeist auf die negativen tagespolitischen Ereignisse beschränkt. Ein tieferes Wissen über die afrikanische Kultur und Lebenswelt kann auf diese Weise kaum gewonnen werden. Nicht zuletzt deshalb will der Filmabend einen Einblick in die afrikanische Kinowelt geben, mit ihren Themen und Konflikten, wohl wissend, dass diese von Land zu Land, ähnlich wie in Europa, ihre Unterschiede haben. Im Anschluss an den Vortrag wird der Film Yaaba gezeigt, der ganz allgemein über das dörfliche Leben in Afrika erzählt, wie über die Beziehung von Mann und Frau und die Stellung der Frau in der dörflichen Gemeinschaft. Der Zuschauer bekommt dabei einen Eindruck über das Leben auf diesem Kontinent, der jenseits aller Afrika-Klischees liegt, und der in seiner Authentizität für den europäischen Zuschauer überraschend und faszinierend zugleich ist. Eine ungewöhnliche Seherfahrung jenseits des Hollywoodmainstreams.
Filmvorführung: Yaaba/Großmutter (Burkina Faso, 1989)
RE: Idrissa Quedraogo, DA: Fatimata Sanga, Noufou Quedraogo u.a.
Yaaba bedeutet in der Sprache der Mooré in Burkina Faso Großmutter. Bila, ein 12-jähriger Junge, nennt so die alte Sana, die bei den Dorfbewohnern als Hexe gilt und von der Gemeinschaft verstoßen wurde. Langsam fassen der Junge und die einsame Greisin Vertrauen zueinander. Eine liebevoll gestaltete, poetisch-märchenhafte Auseinandersetzung mit dem Erwachsen- werden und ein Plädoyer für eine vorurteilsfreie Weltsicht.

oder

Filmvorführung: Moolaadé (Senegal, Frankreich, Burkina Faso, Kamerun, 2004)
RE: Ousmane Sambéne
Weil sechs junge Mädchen wissen, welche Schmerzen ihnen in der Beschneidung bevorstehen, flüchten sie vor dem Ritual. Vier von ihnen suchen Schutz bei Collé Ardo, einer Frau, die vor Jahren ihre eigene Tochter vor der Verstümmelung gerettet hat. Der Preis dafür ist allerdings, dass ihre Tochter als Unreine angesehen wird und laut den kulturellen Regeln nicht geheiratet werden darf. Da die Beschneiderinnen die Herausgabe der Mädchen fordern, muss Collé einen rituellen Bann um ihren Hof einrichten: die Moolaadé. Dieser Bann verschafft den Mädchen ein Asylrecht auf ihrem Hof. Doch der Konflikt ist dabei nicht aufgehoben, sondern spitzt sich auf dramatische Weise zu. Ousmane Sambéne, der auch als der Vater des afrikanisches Kinos bezeichnet wird, schafft es, den mutigen Kampf der Frau gegen das Ritual der Beschneidung in seiner Schärfe und Tiefe uns Zuschauern zu vermitteln. Dabei verzichtet er auf die Nachstellung der grausamen Praxis im Film. Sambéne geht es vor allem um die Darstellung der Problematik, die er in anschaulichen Bildern erzählt.



 

 

© Hintergrundfoto "cinephil": Rainer Sturm/pixelio.de